CO₂-neutrale Heizsysteme in der Industrie: Biogas und synthetische Energieträger

Steigende Energiekosten, gesetzliche Anforderungen zum Erreichen der Klimaziele und der Wunsch nach einer Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern führen zu einem wachsenden Bedarf nach CO₂-neutralen Heizsysteme in der Industrie. Biogas und synthetische Energieträger werden hier mit großer Wahrscheinlichkeit eine Schlüsselrolle spielen. Erfahren Sie mehr zum Potenzial, den Herausforderungen und Grenzen klimafreundlicher Hallenheizungen.

Was sind Biogas und synthetische Energieträger?

Biogas ist ein erneuerbarer Energieträger, der durch die Vergärung organischer Materialien wie beispielsweise von Pflanzenresten, Mist oder Bioabfällen entsteht. In einem anaeroben Prozess, d. h. ohne Zufuhr von Sauerstoff zersetzen Mikroorganismen diese Biomasse und produzieren dabei vor allem Methan (CH₄) und Kohlendioxid (CO₂). Dieses Methan kann anschließend als Brennstoff zur Energiegewinnung genutzt werden, z. B. zum Heizen, Stromerzeugen oder als Treibstoff.

Synthetische Energieträger sind künstlich hergestellte Brennstoffe oder Energieträger, die durch chemische Prozesse aus erneuerbaren Rohstoffen oder aus Strom (z. B. aus Wind- oder Sonnenenergie) erzeugt werden. Ein Beispiel sind Power-to-X-Technologien, bei denen Strom verwendet wird, um z. B. Wasserstoff durch Elektrolyse herzustellen, der dann weiter zu synthetischen Kraftstoffen wie Methan, Methanol oder synthetischem Diesel umgewandelt wird. Diese Energieträger sind insofern interessant, als dass sie CO₂-neutral sein können und bestehende Infrastrukturen wie Tankstellen und Motoren weiter genutzt werden können.

Wie funktionieren Hallenheizungen mit Biogas oder synthetischen Energieträgern?

  1. Biogas oder ein synthetischer Kraftstoff wird von einem Tank oder direkt aus einer Biogasanlage heraus an die Heizung geleitet und dort in Gas- oder Ölbrennern verbrannt.
  2. Die entstehende Wärme wird entweder über Wärmetauscher, Warmluftheizungen oder Strahlungsheizungen abgegeben und erwärmt so die Luft der Halle.
  3. Temperaturfühler und Regeltechnik steuern die Verbrennung und Wärmeabgabe, damit die gewünschte Temperatur konstant gehalten wird.

Anforderungen an Hallenheizungen mit Biogas oder synthetischen Energieträgern

  • Hallenheizungen für Biogas oder synthetische Energieträger benötigen spezielle Brenner, die auf die Zusammensetzung des Gases / Brennstoffes angepasst sind.
  • Da Biogas oft etwas Schwefel oder Feuchtigkeit enthält, müssen Filter oder spezielle Brenner verwendet werden, um Schäden an der Heizungsanlage zu vermeiden.
  • Bei synthetischen Energieträgern ist die Verbrennung oft besonders effizient und emissionsarm.

Hallenheizungen für Biogas und synthetische Energieträger

Je nach baulichen Besonderheiten und Nutzungsarten von Hallen eignen sich unterschiedliche Heizungstypen für den Einsatz der Brennstoffe. So sind Dunkelstrahler bei der zonierten Beheizung einer Halle in der Regel am effizientesten, während sich wassergeführte Heizsysteme oder direkte Warmluftheizungen für die konstante Beheizung einer Halle besonders gut eignen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die verschiedenen Heizsysteme, ihre Vor- und Nachteile.

Heizsystem

Funktionsweise

Kosten

Vorteile

Nachteile

geeignet für

Direkt befeuerter Warmlufterhitzer

Verbrennung von Gas

warme Luft wird direkt in Halle geblasen

Investition: gering

Betrieb: mittel

schnelle Erwärmung

einfache Installation

Wärmeverlust bei schlechter Dämmung

Luftaufwirbelung

Produktions- und Lagerhallen

Sporthallen

Wassergeführtes System mit Heizlüftern

Kessel erhitzt Wasser

Wärme wird über Gebläsekonvektoren verteilt

Investition: mittel bis hoch

Betrieb: mittel

gleichmäßige Wärme, Einbindung in andere Systeme möglich

höhere Investition

 langsames Aufheizen

Hallen mit Dauerbeheizung und Dämmung

Dunkelstrahler (Infrarot)

Gasverbrennung in Rohrstrahlern

Erwärmung von Oberflächen/Menschen

Investition: mittel

Betrieb: gering bis mittel

hohe Effizienz

kein Staubaufwirbeln

ideal für hohe Hallen

punktuell

weniger für gleichmäßige Gesamtheizung

Werkstätten

 Lager

 Sporthallen

Hellstrahler (direkt)

offene Flamme hinter Keramikbrenner

 Infrarotwärme

Investition: gering bis mittel

Betrieb: mittel

sehr schnelles Aufheizen

 gezielte Wärme

Abgasführung nötig

nicht für lange Dauerheizung

Teilbereiche

Arbeitsplätze in großen Hallen

Hybrid mit Wärmespeicher

Kombination aus Gasbrenner und Pufferspeicher

Ho Investition: hoch

Betrieb: gering bis mittel

flexible Nutzung

Einbindung erneuerbarer Energien

hohe Anfangskosten

komplexere Steuerung

Betriebe mit schwankendem Wärmebedarf

Für wen lohnt sich die Umrüstung?

Die Umrüstung auf CO₂-neutrale Heizsysteme mit Biogas oder synthetischen Energieträgern lohnt sich besonders für Betriebe, die bestimmte Kriterien erfüllen.

  • Biogas ist ideal für Betriebe, die ohnehin über einen Zugang zu organischen Reststoffen verfügen, eine vorhandene Gas-Infrastruktur und einen mittleren bis hohen Wärmebedarf aufweisen und kurzfristig auf eine klimaneutrale Hallenheizung umsteigen möchten.
  • Synthetische Energieträger sind besonders für Unternehmen interessant, die über ein höheres Budget verfügen, langfristig flexibel und emissionsfrei bleiben wollen und die vorhandene Infrastruktur für Gas nutzen können.

Entscheidungsmatrix zur CO₂-neutralen Heiztechnologie in der Industrie

Kriterium

Biogas

Synthetische Energieträger

Empfehlung

Energiebedarf (Wärme)

mittel bis hoch

mittel bis hoch

beide geeignet, Biogas besonders bei großen Anlagen

Gasinfrastruktur

vorhanden → niedrige Umrüstungskosten

kann Infrastruktur nutzen, ggf. Anpassungen nötig

Biogas bevorzugt bei vorhandener Gasleitung

Eigenproduktion von Abfällen, Biomasse

möglich, besonders vorteilhaft

nicht relevant

eigenes Biogas spart Kosten und erhöht die Unabhängigkeit

Investitionsbudget

moderat

höher, da Technologie noch im Aufbau

Biogas oft günstiger, synthetische Energieträger langfristig mit Kostensenkung

Flexibilität

gut, vor allem bei Schwankungen im Wärmebedarf

sehr gut, kann als Speicher fungieren

synthetische Energieträger bieten mehr Flexibilität

Fördermöglichkeiten

regionale Förderungen oft vorhanden

Förderungen auf EU- und Bundesebene möglich

je nach Standort und Projekt

Zeithorizont für Amortisation

kurz- bis mittelfristig

mittelfristig bis langfristig

Biogas zahlt sich oft schneller aus

Nachhaltigkeits- und Imageeffekt

hoch, vor allem bei Kreislaufwirtschaft

sehr hoch, da innovativ und zukunftsweisend

beide stark, synthetische Energieträger als Zukunftstechnologie

Vorteile CO₂-neutraler Heizsysteme für Industrie und Gewerbe

Die Investition in CO₂-neutrale Heizsysteme bringt eine Reihe von Vorteilen für Unternehmen mit sich. Vor allem die Nutzung vorhandener Gasinfrastrukturen macht eine Umrüstung im Bestand interessant, um die Heizungsanlage auf erneuerbare Energien umzustellen.

Vorteil

Biogas

Synthetische Energieträger

Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks und Erfüllung von Klimazielen

Nutzung von organischen Abfällen

erneuerbar

vermeidet fossile Emissionen

Produktion aus erneuerbarem Strom (Power-to-X)

nahezu klimaneutral

Versorgungssicherheit durch Diversifizierung der Energiequellen

regional erzeugbar

 fördert lokale Wirtschaft

kann aus überschüssigem erneuerbarem Strom weltweit hergestellt werden

Flexibilität durch Integration in bestehende Heiz- und Industrieanlagen

kann in bestehenden Gasinfrastrukturen genutzt werden

anpassbar an verschiedene Energiebedarfe und Einsatzbereiche

Umweltfreundlichkeit

reduziert Methanemissionen aus Abfällen

keine fossilen Rohstoffe

keine direkten Schadstoffemissionen

sauberer Verbrennungsprozess

Wirtschaftlichkeit durch langfristige Kosteneinsparungen

Fördermöglichkeiten

oft kostengünstig in der Erzeugung

aktuell noch höhere Kosten

technologische Entwicklung senkt Preise

Energieeffizienz

hoher Wirkungsgrad bei Verstromung und Wärmebereitstellung

Möglichkeit zur Speicherung und bedarfsgerechten Nutzung

Reputation und Marktposition

nachhaltiges Image

Erfüllung regulatorischer Anforderungen

Innovationsführerschaft und Vorreiterrolle in klimafreundlichen Technologien

Herausforderungen und Grenzen CO₂-neutraler Heizsysteme in der Industrie

Wenngleich Biogas und synthetische Energieträger vermutlich eine Schlüsselrolle bei der Nutzung klimaneutraler Hallenheizungen spielen werden, gibt es aktuell noch eine Reihe von Herausforderungen und Grenzen, die den flächendeckenden Ausbau einschränken.

  • Verfügbarkeit und Skalierbarkeit:
    • Begrenzte Menge an Biomasse/Abfällen und die Konkurrenz zu anderen Nutzungsbereichen (z. B. in der Landwirtschaft) beschränkt das Produktionsvolumen, wobei die Nachhaltigkeit der Biomasseproduktion gewährleistet sein muss.
    • Bei synthetischen Energieträgern besteht eine Abhängigkeit von großem Überschuss an erneuerbarem Strom, der nicht überall verfügbar ist, der Energieaufwand für die Herstellung (Power-to-X) ist hoch.
  • Kosten und Wirtschaftlichkeit:
    • Synthetische Energieträger sind in der Produktion aktuell noch teuer.
    • Unsicherheiten bei zukünftiger CO₂-Bepreisung und Förderungen erschweren die Investitionsentscheidungen.
    • Die Investitionskosten sind hoch, wenn vorhandene Infrastrukturen nicht genutzt werden können.
  • Infrastruktur:
    • Bestehende Gasnetze sind oft nicht flächendeckend oder müssen technisch angepasst werden, die Genehmigungsverfahren für Biogasanlagen sehr komplex und es fehlt bislang an einheitlichen Standards und Zertifizierungen für synthetische Energieträger.
    • Speicherung und Transport synthetischer Gase sind technisch anspruchsvoll und kostenintensiv.
    • Die Prozessstabilität bei variierenden Gasqualitäten muss sichergestellt sein.

Klimaneutrale Hallenheizungen in der Industrie von etapart

Etapart verfügt über eine jahrzehntelange Expertise im Bau nachhaltiger Hallenheizungen. Als kompetenter Partner stehen wir Ihrem Unternehmen gerne bei der Planung und Durchführung einer zukunftssicheren Heiztechnologie zur Seite, die vorhandene Infrastrukturen genauso berücksichtigt wie den Energiebedarf und regionale Fördermöglichkeiten, um eine maximal effiziente Heizungsanlage zu installieren, die sich durch Langlebigkeit, Zuverlässigkeit und Komfort auszeichnet. Kontaktieren Sie einfach unser kompetentes Team für ein unverbindliches Beratungsgespräch.

Das Wichtigste in Kürze

  • Biogas und synthetische Energieträger sind vielversprechende klimaneutrale Energieträger für die Industrie.
  • Oft ist die Nutzung vorhandener Infrastrukturen (gegebenenfalls mit Anpassungen) möglich, um die CO₂-neutralen Heizsysteme in der Industrie zu nutzen.
  • Es gibt noch einige Herausforderungen im Bereich der Infrastrukturen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die einen flächendeckenden Einsatz aktuell einschränken.